Das Krankheitsbild
Unter M54 werden Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule zusammengefasst, von der Halswirbelsäule über den Brustbereich bis zum Kreuz. Die allermeisten Fälle sind nicht-spezifisch, das heißt, es lässt sich keine eindeutige strukturelle Ursache benennen. Muskuläre Verspannung, Überlastung, Bewegungsmangel und psychosoziale Faktoren wie Stress können eine Rolle spielen. Akute Beschwerden klingen oft innerhalb weniger Wochen ab, ein Teil der Betroffenen entwickelt jedoch anhaltende oder wiederkehrende Schmerzen.
Zu unterscheiden sind davon spezifische Ursachen, etwa Bandscheibenvorfälle mit Nervenwurzelbeteiligung, Frakturen, Entzündungen oder Tumoren. Als Warnzeichen gelten unter anderem Lähmungen, Gefühlsstörungen im Genitalbereich, Blasen- oder Darmstörungen, Fieber, ungewollter Gewichtsverlust und Schmerzen nach einem Unfall. In diesen Fällen hat die ärztliche Abklärung Vorrang.
Rolle der Bewegungstherapie
Die Nationale Versorgungsleitlinie zum nicht-spezifischen Kreuzschmerz betont Information, Beruhigung und die Aufforderung, aktiv und im Alltag möglichst normal zu bleiben. Bei länger bestehenden Beschwerden wird Bewegungstherapie empfohlen. Auch für Nackenschmerzen gilt aktives Üben als zentraler Baustein, wobei die Studienlage hier etwas weniger umfangreich ist als beim Kreuzschmerz.
Welche Übungsform die beste ist, lässt sich nach heutigem Wissen nicht pauschal sagen. Kräftigung, Mobilisation, Koordination und Entspannung haben jeweils ihren Platz, und ausschlaggebend ist häufig die Regelmäßigkeit. Ein Rezept über wenige Behandlungen reicht dafür oft nicht aus, weil die Übungen danach nicht fortgeführt werden. Eine längerfristige Begleitung kann diese Lücke schließen.
Passendes Versorgungsprogramm
Herodikos Plus wurde für genau diese Patientengruppe entwickelt. Die App bietet über 200 Übungen mit Video- und Sprachanleitung, von Mobilisation und Kräftigung bis zu Yoga und Entspannung. Alle zwei Wochen findet eine Video-Physiotherapie mit einem echten Physiotherapeuten statt, der den individuellen Trainingsplan anpasst. Die Laufzeit beträgt 3 bis 12 Monate.
Voraussetzung sind nicht-spezifische Rücken- oder Nackenschmerzen mittel- bis hochgradiger Ausprägung, die höchstens sechs Monate bestehen, sowie ein Mindestalter von 18 Jahren. Alle ärztlichen Fachrichtungen dürfen einschreiben. Der Patient scannt einen QR-Code und bucht den Ersttermin selbst. Sie erhalten im Schnitt 40 EUR, bis zu 80 EUR pro Verordnung, extrabudgetär.
Teilnahme bei Rückenschmerzen inkl. HWS
- Patient ist bei einer teilnehmenden Kasse versichert
- Passende Indikation liegt vor (nicht-spezifisch, mittel- bis hochgradig, max. 6 Monate)
- Patient ist mindestens 18 Jahre alt
Vergütung: Ø 40 EUR, bis 80 EUR, extrabudgetär · Dauer: 3 bis 12 Monate
Teilnehmende Krankenkassen bei M54
- TK
- AOK Niedersachsen
- hkk
- Mobil BKK
- HEK
- pronova BKK
So funktioniert die Einschreibung
- 1 Patient scannt den QR-Code.
- 2 Patient bucht sich direkt selbst einen Ersttermin — ca. 2 Minuten Aufwand.
- 3 Extrabudgetäre Abrechnung läuft automatisch.
Häufige Fragen
Gilt das Programm auch für Nackenschmerzen?
Ja, M54 schließt Beschwerden der Halswirbelsäule ein. Auch hier muss es sich um eine nicht-spezifische Indikation mit mittel- bis hochgradiger Ausprägung handeln, die maximal sechs Monate besteht.
Belastet die Einschreibung mein Heilmittelbudget?
Nein. Das Programm läuft als Selektivvertrag nach § 140a SGB V und wird für die Praxis extrabudgetär vergütet. Für Patienten ist die Teilnahme kostenfrei.
Was gilt bei Rückenschmerzen mit Warnzeichen?
Bei neurologischen Ausfällen, Fieber, Unfallfolgen oder anderen Warnzeichen ist zuerst eine ärztliche Abklärung nötig. Das Programm ist für nicht-spezifische Beschwerden gedacht.
Diese Informationen richten sich an Ärztinnen und Ärzte und ersetzen keine individuelle ärztliche Diagnose oder Beratung.