Das Krankheitsbild
Die Skoliose ist eine dreidimensionale Verformung der Wirbelsäule mit seitlicher Abweichung und Verdrehung der Wirbelkörper. Idiopathisch heißt, dass keine erkennbare Ursache vorliegt; das ist die häufigste Form. Sie entsteht meist im Wachstumsalter und wird äußerlich oft an einem Rippenbuckel, einem Taillendreieck oder einer Schulterasymmetrie bemerkt. Das Ausmaß wird auf dem Röntgenbild als Winkel bestimmt.
Im Erwachsenenalter verläuft die Skoliose sehr unterschiedlich. Viele Betroffene haben keine oder kaum Beschwerden, andere leiden unter Rückenschmerzen, schneller Ermüdung oder Einschränkungen im Alltag. Ob und wie eine Verkrümmung fortschreitet, hängt von Ausmaß und Lokalisation ab und ist Sache der fachärztlichen Verlaufskontrolle. Bei zunehmender Krümmung, neurologischen Ausfällen oder Atemproblemen ist eine zeitnahe Abklärung erforderlich.
Rolle der Bewegungstherapie
Bei Kindern und Jugendlichen mit fortschreitender Skoliose gibt es spezielle, skoliosespezifische Verfahren, die durch geschulte Therapeuten vermittelt werden. Sie unterscheiden sich von der allgemeinen Bewegungstherapie, die hier beschrieben wird. Bei Erwachsenen steht dagegen häufig die Schmerzlinderung und die Erhaltung von Funktion und Belastbarkeit im Vordergrund.
Für diese Fragestellung gelten die Prinzipien der Behandlung chronischer Rückenschmerzen: aktives Üben, Kräftigung der Rumpfmuskulatur, Mobilisation und Alltagsbewegung. Die Evidenz, dass Training den Krümmungswinkel bei Erwachsenen verändert, ist begrenzt. Dass es Beschwerden und Funktion positiv beeinflussen kann, wird dagegen als plausibel angesehen. Ein individuell abgestimmtes, regelmäßig durchgeführtes Training ist deshalb ein sinnvoller Baustein neben der fachärztlichen Betreuung.
Passendes Versorgungsprogramm
Herodikos Plus richtet sich an Patienten ab 18 Jahren und kommt für Erwachsene mit idiopathischer Skoliose in Frage, die unter nicht-spezifischen Rückenschmerzen mittel- bis hochgradiger Ausprägung leiden, die höchstens sechs Monate bestehen. Das Programm ersetzt keine skoliosespezifische Behandlung oder Verlaufskontrolle, sondern ergänzt sie um ein strukturiertes Heimtraining.
Die App bietet über 200 Übungen mit Video- und Sprachanleitung, alle zwei Wochen gibt es eine Video-Physiotherapie, bei der der Trainingsplan individuell angepasst wird. Die Laufzeit liegt zwischen 3 und 12 Monaten. Patienten schreiben sich per QR-Code ein und buchen den Ersttermin selbst. Die Praxis erhält im Schnitt 40 EUR, bis zu 80 EUR pro Verordnung, extrabudgetär.
Teilnahme bei Sonstige idiopathische Skoliose
- Patient ist bei einer teilnehmenden Kasse versichert
- Passende Indikation liegt vor (nicht-spezifisch, mittel- bis hochgradig, max. 6 Monate)
- Patient ist mindestens 18 Jahre alt
Vergütung: Ø 40 EUR, bis 80 EUR, extrabudgetär · Dauer: 3 bis 12 Monate
Teilnehmende Krankenkassen bei M41.2
- TK
- AOK Niedersachsen
- hkk
- Mobil BKK
- HEK
So funktioniert die Einschreibung
- 1 Patient scannt den QR-Code.
- 2 Patient bucht sich direkt selbst einen Ersttermin — ca. 2 Minuten Aufwand.
- 3 Extrabudgetäre Abrechnung läuft automatisch.
Häufige Fragen
Ist das Programm auch für Jugendliche mit Skoliose geeignet?
Nein, die Teilnahme setzt ein Alter von mindestens 18 Jahren voraus. Jugendliche mit fortschreitender Skoliose gehören in die fachärztliche Betreuung mit gegebenenfalls spezifischer Physiotherapie.
Verändert Training den Krümmungswinkel?
Bei Erwachsenen ist das nicht belegt. Training zielt hier darauf, Kraft, Beweglichkeit und Alltagsfunktion zu erhalten und Beschwerden zu verringern.
Muss die Skoliose vor der Einschreibung abgeklärt sein?
Ja, die Diagnose und der Verlauf sollten ärztlich bekannt und eingeordnet sein. Bei zunehmender Krümmung oder neurologischen Symptomen steht zuerst die fachärztliche Abklärung.
Diese Informationen richten sich an Ärztinnen und Ärzte und ersetzen keine individuelle ärztliche Diagnose oder Beratung.