75 Patienten pro Quartal – ohne Heilmittelbudget
Von 1.500 Scheinen zu 3.000 € Zusatzhonorar pro Quartal: So rechnet sich § 140a SGB V für eine orthopädische Praxis – extrabudgetär, ohne Budgetrisiko.

Friederike Rohde
23. Oktober 2026 · 5 Min. Lesezeit
75 Patientinnen und Patienten mit Bewegungstherapie versorgt, ohne einen Euro aus dem Heilmittelbudget – und dafür zusätzlich vergütet werden. Das klingt nach einem Werbeversprechen. Es ist aber schlicht die Mechanik von Selektivverträgen nach § 140a SGB V für digitale und hybride Physiotherapie-Programme. Wir rechnen das Potenzial für einen durchschnittlichen orthopädischen Kassensitz einmal Schritt für Schritt durch – mit bewusst vorsichtigen Annahmen.
Warum Selektivverträge das Budget nicht berühren
Bei einem klassischen Heilmittelrezept trägt die Praxis das Risiko: Jede Verordnung zählt in das Heilmittelvolumen, und wer auffällig viel verordnet, landet in der Wirtschaftlichkeitsprüfung. Versorgungsprogramme über Selektivverträge laufen dagegen außerhalb dieses Systems. Die Krankenkasse vergütet die Teilnahme direkt – die Leistung ist extrabudgetär, belastet weder Heilmittelbudget noch Regelleistungsvolumen und ist für Ihre Patientinnen und Patienten kostenfrei.
Die Rechnung: von 1.500 Scheinen zu rund 75 Patienten
1. Basis: Ein durchschnittlicher orthopädischer Sitz behandelt rund 1.500 gesetzlich Versicherte pro Quartal.
2. Kassenabdeckung (rund 35 %): Nicht jede Kasse nimmt teil. Über BARMER, viele BKKen, IKKen und weitere Partnerkassen sind etwa 525 Patientinnen und Patienten grundsätzlich teilnahmeberechtigt. Der genaue Anteil hängt stark vom Bundesland ab, weil einige Kassen nur regional teilnehmen.
3. Indikationen (rund 50 %): Die Programme decken Rücken, Knie, Hüfte, Schulter und Achillessehne ab – also den Großteil des orthopädischen Alltags. Das ergibt etwa 260 passende Fälle. Welche Diagnosen genau verordnungsfähig sind, steht in unserer Übersicht aller Diagnosen und ICD-Codes.
4. Einsteuerung (25–30 %): Nicht jeder passende Patient möchte oder kann teilnehmen. Realistisch schreiben Praxen ein Viertel bis knapp ein Drittel ein – das sind 70 bis 85 Patientinnen und Patienten pro Quartal.
Der doppelte Effekt für die Praxis
Budget: 0 € Belastung für Heilmittelbudget und Regelleistungsvolumen. Jeder Patient, der über ein Programm versorgt wird, ist ein Rezept weniger, das in die Wirtschaftlichkeitsprüfung einfließt.
Honorar: Bei durchschnittlich 40 € Vergütung pro Fall bei Herodikos Plus ergeben 75 Patienten rund 3.000 € Zusatzhonorar pro Quartal – etwa 12.000 € im Jahr. Bei GLA:D liegt die Vergütung bei 60 € pro Verordnung, bei Herodikos Plus sind bis zu 80 € möglich. Die Rechnung oben ist also eher vorsichtig.
Wie viel Aufwand steckt dahinter?
Weniger, als die meisten erwarten. Die Einschreibung dauert je nach Programm etwa 2 bis 10 Minuten pro Patient und lässt sich gut an die MFA delegieren: Teilnahmeerklärung, Eintragung im Online-Portal, fertig. Die Therapie selbst übernehmen die Programme – bei Herodikos Plus mit App und regelmäßigen Videositzungen bei echten Therapeutinnen und Therapeuten, bei GLA:D mit Schulung und Gruppentraining vor Ort. Wie die Abläufe im Detail aussehen, beschreibt unser Praxis-Guide zum Einschreiben.
Theoretisches Maximum oder realistische Planung?
Unser Potenzialrechner zeigt das theoretische Potenzial: alle Patientinnen und Patienten, die nach Diagnose und Kasse in Ihrem Bundesland einschreibbar wären – also vor der Einsteuerungsquote. Die Rechnung in diesem Beitrag setzt eine realistische Einsteuerung von 25 bis 30 % an. Beide Zahlen gehören zusammen: Der Rechner zeigt, was möglich ist, die Einsteuerung, was im Praxisalltag typischerweise ankommt.
So starten Sie
Prüfen Sie zuerst, welche Ihrer Patientinnen und Patienten infrage kommen: In der Programmsuche finden Sie jede Diagnose mit den teilnehmenden Kassen. Alle Details zu Vergütung, Laufzeit und Ablauf stehen auf der Seite Die Programme. Für Herodikos Plus können Sie Ihre Praxis über unseren Kooperationszugang in wenigen Minuten kostenfrei registrieren.
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Friederike Rohde
Gründerin von Uplevel Network. Über 15 Jahre Erfahrung in der medizinischen Praxis. Expertin für Heilmittel, Digitalisierung und Umsatzsteigerung.